World of Cocoa: Kakao aus Mittel- und Südamerika - Einblick in unseren Beschaffungsansatz
Unser Fokus auf Mittel- und Südamerika ist nicht das Ergebnis einer späteren strategischen Neuausrichtung, sondern ergibt sich direkt aus unserer Unternehmensstruktur. Geschäftsführer Gonzalo Toro stammt aus Venezuela. Sprache, kulturelles Verständnis und persönliche Netzwerke haben unseren Zugang zu Produzenten und Exporteuren von Anfang an geprägt.
Diese Nähe ist bis heute ein zentrales Element unserer Beschaffung. Sie erleichtert die Kommunikation, schafft Vertrauen und ist besonders wertvoll beim Aufbau langfristiger Partnerschaften.
Unser Portfolio im Detail
Wir beziehen hauptsächlich Edelkakao aus Peru, Ecuador und Venezuela, ergänzt um Madagaskar als weiteres Ursprungsland sowie – in kleineren Mengen – Ursprünge wie Kolumbien und die Dominikanische Republik. Aktuell erweitern wir unser Portfolio um Nicaragua, wobei ein erster Testcontainer bereits unterwegs ist.
Die von uns gehandelten Qualitäten liegen überwiegend im Bereich Grade 1 und Grade 2. Da die Kakaoklassifizierung weltweit nicht standardisiert ist, werden je nach Ursprung und Handelspraxis unterschiedliche Bezeichnungen verwendet, wobei Begriffe wie F1 und F2 vergleichbare Qualitätsstufen beschreiben. Unser Fokus liegt auf genetischen Varietäten wie Criollo und Trinitario, die sich für komplexe Aromaprofile eignen.
Beispiele innerhalb des Portfolios umfassen:
- Ecuador mit Nacional als Referenz für aromatischen Kakao
- Venezuela mit einem hohen Anteil an Criollo-Genetik
- Peru als einen der größten Exporteure von Bio-Kakao
Gleichzeitig handeln wir auch Standardqualitäten mit geringeren Fermentationsgraden, sofern diese für spezifische Anwendungen erforderlich sind.
Es ist wichtig zu betonen, dass der Ursprung allein die Qualität nicht definiert. Selbst innerhalb Lateinamerikas variiert die Qualität erheblich.
In Ecuador beispielsweise werden große Mengen CCN 51 produziert, die typischerweise dem Bulk-Segment zugeordnet werden. Fermentation und Nachernteprozesse bleiben die entscheidenden Faktoren.
Position im globalen Markt
Edelkakao macht einen relativ kleinen Anteil der weltweiten Produktion aus, oft auf etwa 10 Prozent geschätzt, und unterscheidet sich deutlich vom volumengetriebenen Bulk-Markt. Wir agieren daher in einem Segment, das klar vom Bulk-Markt abgegrenzt ist. Westafrika dominiert diesen Markt mit Forastero-Varietäten und hochstandardisierten Prozessen, die große Mengen und eine konsistente Basisqualität ermöglichen.
Lateinamerikanischer Kakao weist andere Eigenschaften auf. Er ist in der Regel weniger bitter und weniger adstringierend, mit größerer aromatischer Komplexität. Gleichzeitig sind die Produktionsstrukturen häufig kleinteiliger, was mehr Kontrolle über einzelne Lots ermöglicht, aber auch zu höherer Variabilität führt.
Diese Unterschiede sind ein wesentlicher Faktor für die Strukturierung des Marktes.
Kundenanforderungen
Die meisten unserer Kunden sind im Premiumsegment tätig und haben klar definierte Erwartungen an die Rohstoffqualität.
Wichtige Parameter umfassen:
- homogene Bohnenstruktur
- Schimmelanteil unter 1 Prozent
- Feuchtigkeit unter 7,5 Prozent
- minimaler Fremdstoffanteil
Über diese technischen Kriterien hinaus gewinnen Herkunft, Aromaprofil und Rückverfolgbarkeit zunehmend an Bedeutung. Viele Kunden sind bereit, über dem Marktpreis zu zahlen, sofern höhere Qualität mit Konsistenz und Zuverlässigkeit einhergeht.
Zusammenarbeit und Verarbeitung
Wir arbeiten hauptsächlich mit Exporteuren zusammen, zu denen wir regelmäßigen Kontakt pflegen. Der direkte Austausch mit Produzenten wird, wo möglich, durch Besuche im Ursprung ergänzt. Diese werden von Gonzalo Toro gemeinsam mit Mitgliedern unseres Sourcing-Teams durchgeführt, darunter Antonio López und Rodrigo Molina.
Ein wesentlicher Teil unserer Qualitätskontrolle liegt in der Verarbeitung. Viele der von uns gehandelten Lots stammen aus kleineren Fermentationseinheiten mit höherem Kontrollgrad.
Kakao wird typischerweise in Jute- oder PP-Säcken verschifft und nicht in Bulk-Formaten. Dies ermöglicht eine klarere Lot-Trennung und eine präzisere Qualitätsbewertung.
Rückverfolgbarkeit und regulatorische Anforderungen
Mit der Einführung der EUDR ist Rückverfolgbarkeit zu einer zentralen Anforderung geworden. Wir führen Lieferungen erst dann durch, wenn die erforderlichen Geolokalisierungsdaten vorliegen. Jedes Lot kann somit bis auf Farmebene zurückverfolgt werden.
Wir sind nach Fairtrade und Rainforest Alliance zertifiziert und wenden diese Standards dort an, wo sie relevant sind. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an soziale und nachhaltigkeitsbezogene Daten im gesamten Markt. Während die Verfügbarkeit solcher Daten je nach Ursprung und Exporteur noch variiert, arbeiten wir eng mit unseren Partnern zusammen, um relevante Informationen so umfassend wie möglich bereitzustellen.
Komplementäre Ursprünge
Unsere Aktivitäten in Afrika sind als Ergänzung zu unserem Kerngeschäft gedacht. Madagaskar ist seit vielen Jahren Teil unseres Portfolios, insbesondere im Bio-Segment.
Wir beobachten weiterhin andere Ursprünge, darunter Côte d’Ivoire, als Reaktion auf Marktentwicklungen. Derzeit gibt es jedoch keine Pläne für eine strukturelle Abkehr von Mittel- und Südamerika.
Fazit
Unsere Beschaffung konzentriert sich auf Mittel- und Südamerika, ergänzt durch ausgewählte Ursprünge wie Madagaskar, sofern diese spezifische Qualitätsanforderungen erfüllen. Über alle Ursprünge hinweg wird Qualität nicht allein durch das Herkunftsland bestimmt, sondern durch Varietät, Fermentation, Verarbeitung, Rückverfolgbarkeit und die Zuverlässigkeit der Partner.
