World of Cocoa: EUDR bei Bohnkaf - Warum die eigentliche Arbeit am Ursprung beginnt
Mit der EUDR verlagert sich ein erheblicher Teil der Verantwortung näher an den Ursprung der Lieferkette. Für Importeure und Verarbeiter in Europa reicht es nicht mehr aus, nur die physische Qualität einer Kakaolieferung zu beurteilen. Zunehmend stellt sich die entscheidende Frage, wie zuverlässig die Dokumentation hinter einer Lieferung tatsächlich ist und wie eindeutig ihr Ursprung verifiziert werden kann.
Gerade im Kakaosektor zeigt sich schnell, dass die eigentliche Herausforderung nicht in Europa beginnt. Bevor Waren überhaupt verschifft werden können, müssen Geodaten erhoben, Produktionsflächen dokumentiert, Risiken bewertet und unterstützende Nachweise entlang der gesamten Lieferkette konsolidiert werden.
Geodaten als Grundlage für Rückverfolgbarkeit
Bei Bohnkaf beginnt dieser Prozess, bevor die Waren verschifft werden. Über die Osapiens‑Plattform erhalten Lieferanten eine sogenannte „Purchase Order Request“. Dabei handelt es sich um eine strukturierte Anfrage für alle Geodaten, die einer bestimmten Lieferung zugeordnet werden müssen. Lieferanten können die Plattform kostenlos nutzen und die Daten entweder über Excel‑Dateien oder Formate wie GeoJSON oder KML hochladen.
Die Anforderungen an diese Datensätze sind umfangreich. Neben Handelsname, Herkunftsregion und Liefermenge müssen die Produktionsflächen selbst eindeutig dokumentiert werden.

Für kleinere Farmen unter vier Hektar ist ein einzelner Geolokationspunkt mit ausreichender Genauigkeit akzeptabel. Größere Flächen hingegen müssen als vollständige Polygone kartiert werden, damit die tatsächliche Form der Anbaufläche überprüft werden kann.
Im nächsten Schritt werden die Geodaten mithilfe satellitengestützter Systeme analysiert. Ziel ist es festzustellen, ob potenzielle Entwaldungsrisiken bestehen und ob die Flächen den Anforderungen der EUDR entsprechen. Zusätzlich muss die Dokumentation bestätigen, dass die Waren in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Anforderungen des jeweiligen Herkunftslandes produziert wurden.
Dies umfasst unter anderem:
• Landnutzungsrechte
• Umwelt- und Forstgesetze
• Arbeitsrechte und Menschenrechte
• Steuer- und Zollvorschriften
• Anforderungen zum Schutz indigener Gemeinschaften
Wichtig für Käufer
Künftig werden nicht nur die Waren selbst, sondern auch die Qualität und Vollständigkeit der Datensätze Teil der Risikobewertung sein.
Die Realität am Ursprung ist deutlich komplexer
In der Theorie wirkt dieser Prozess oft wesentlich einfacher, als er in der Praxis ist. In kakaoproduzierenden Regionen erfordert die Datenerhebung häufig erheblichen organisatorischen Aufwand. Viele Exporteure und Kooperativen arbeiten gleichzeitig mit Hunderten von Produzenten. Geodaten werden oft direkt im Feld per Mobiltelefon erhoben. Besonders die erstmalige Erstellung polygonbasierter Felddaten kann äußerst zeitaufwendig sein.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass in vielen Erzeugerländern derzeit nur einzelne Koordinatenpunkte für Produzenten verfügbar sind. Für die Satellitenanalyse führt dies zu einem zusätzlichen Problem: Das System generiert einen Radius um den Punkt, der nicht unbedingt die tatsächliche Form der Plantage widerspiegelt. Dadurch können Risiken außerhalb der realen Anbaufläche angezeigt werden.
Solche Fälle zeigen, wie eng die Abstimmung innerhalb der Lieferkette geworden ist. Rückfragen, zusätzliche Dokumentation und weitere Verifizierungsschritte gehören inzwischen zum Tagesgeschäft. Gleichzeitig verlängern sich die administrativen Prozesse vor der Verschiffung in vielen Fällen erheblich.
Die größten Herausforderungen im Tagesgeschäft:
• Kartierung von Hunderten Produzentenfarmen
• Fehlende polygonbasierte Daten
• Unterschiedliche technische Standards am Ursprung
• Zusätzlicher Schulungsbedarf
• Verzögerungen vor der Verschiffung
Warum Plausibilitätsprüfungen immer wichtiger werden
Für Importeure endet der Prozess nicht mit dem bloßen Erhalt der Daten. Zunehmend liegt der Fokus auch darauf, zu bewerten, ob die bereitgestellten Informationen plausibel und nachvollziehbar sind.
Bei Bohnkaf werden die Daten daher zusätzlich überprüft. Wenn beispielsweise nur begrenzte Geodaten vorliegen, wird geprüft, ob die gemeldete Anbaufläche theoretisch die deklarierte Liefermenge hervorbringen könnte. Unstimmigkeiten oder offene Fragen werden direkt mit den Lieferanten besprochen und entsprechend dokumentiert.
Diese zusätzliche Ebene der Verifizierung gewinnt zunehmend an Bedeutung, da die Qualität der verfügbaren Daten je nach Ursprung, Exporteur oder Kooperative noch stark variiert. Während einige Partner bereits mit vollständigen Polygonen und strukturierten Datensätzen arbeiten, befinden sich andere noch im Aufbau der erforderlichen Systeme und Arbeitsabläufe.
Was zunehmend wichtiger wird:
• Plausibilitätsprüfungen der gemeldeten Mengen
• Engere Kommunikation mit Lieferanten
• Nachvollziehbare Dokumentation
• Konsistente Datensätze entlang der Lieferkette
Vom Datensatz zum Due Diligence Statement
Wenn die satellitengestützte Analyse der Geodaten keine Auffälligkeiten ergibt, kann über Osapiens eine Due Diligence Statement erstellt werden. Diese wird dann über eine Schnittstelle direkt an das EU‑TRACES‑Portal übermittelt.
Je nach Unternehmensgröße erhalten Kunden anschließend entweder die DDS‑Referenznummer oder die vollständige Due Diligence Statement. Gleichzeitig bleiben alle eingereichten Daten im System gespeichert und vollständig rückverfolgbar. Ergänzungen oder Änderungen erfolgen nur auf Anfrage und in Abstimmung mit den jeweiligen Lieferanten.
Schritt für Schritt entsteht so eine deutlich stärker dokumentierte und kontrollierte Lieferkette als noch vor wenigen Jahren.

Am Ende des Prozesses:
• Satellitengestützte Risikoanalysen
• Dokumentierte Herkunftsdaten
• DDS‑Referenznummern oder vollständige DDS‑Dokumentation
• Rückverfolgbare Datensätze entlang der gesamten Lieferkette
Die EUDR verändert die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette
Die regulatorischen Anforderungen der EUDR erhöhen den administrativen Aufwand am Ursprung erheblich. Viele Exporteure und Kooperativen investieren derzeit beträchtliche Ressourcen in Datenerhebung, Schulungen und Dokumentation. Besonders in Regionen mit kleinbäuerlichen Strukturen entsteht dadurch vor jeder Verschiffung zusätzlicher organisatorischer Aufwand.
Gleichzeitig verändert sich auch die Zusammenarbeit innerhalb der Lieferkette. Themen wie Rückverfolgbarkeit, Geodaten und Risikobewertung werden heute deutlich enger zwischen Produzenten, Exporteuren, Plattformanbietern und Importeuren abgestimmt als noch vor wenigen Jahren.
Für europäische Käufer wird eines zunehmend wichtiger: Transparenz darüber, wie Prozesse am Ursprung tatsächlich umgesetzt werden. Künftig wird die Qualität einer Lieferkette nicht mehr allein am Produkt selbst gemessen, sondern zunehmend an der Zuverlässigkeit der zugrunde liegenden Daten, Prozesse und Dokumentation.
Die EUDR verändert daher nicht nur regulatorische Abläufe, sondern auch die tägliche Zusammenarbeit entlang der gesamten Lieferkette.
